Im Mai des Jahres 2010 unternahm die Männerchor-Vereinigung erstmals eine Missionsreise in die Tschechische Republik. Unter
der musikalischen Leitung von Frank Schoeneich begab ein bundesweit für diese Tour zusammengestellter Projektchor aus 24
Sängern sich auf den Weg in unser Nachbarland, um dort an drei Orten in Nordböhmen die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen.
Angesichts des historisch bedingt bis heute keineswegs unbelasteten Verhältnisses zwischen beiden Völkern und Staaten mischte sich
in die Vorfreude auf diese Unternehmung auch eine gespannte Erwartung. Welche zwischenmenschlichen Barrieren - abgesehen von den sprachlichen - würde es zu
überwinden gelten? Würde das Versöhnung stiftende Evangelium Gottes die Menschen erreichen, wie gute Saat auf fruchtbaren Boden fällt?
Von seinen Reiseerlebnissen sowie von nachdenklich stimmenden Beobachtungen, aber auch von ermutigenden und überraschenden
Begegnungen der insgesamt 41-köpfigen Reisegruppe berichtet der Teilnehmer und Mitsänger Udo Weidner:
Nun war es soweit. Der 12. Mai, ein Mittwoch, war da, und immer mehr Sänger - mit Ehefrauen oder alleine - trafen sich in Eisenach bei der Autofirma Möller.
Pünktlich um 11.00 Uhr fuhr der Bus ab in Richtung Tschechien zu unserem Quartier in Zahrádky. Am Abend kamen wir ohne größere Probleme dort in unserer Pension Ráj an.
Nach der Zimmerbelegung und dem guten Abendessen saßen wir noch gemütlich beisammen und ließen den Tag ausklingen.
Am Donnerstag, nach dem Frühstück, der Andacht und der Chorprobe (fanden
täglich statt), fuhren wir nach dem Mittagessen zur ersten Gemeinde nach Litomerice (ehemals: Leitmeritz).
Nach herzlicher Begrüßung durch die Gemeindeältesten und Verantwortlichen machten wir bei schönstem Sonnenschein - aber es war
kalt - einen Stadtrundgang. Es war schön, diese Stadt mit ihren alten und gut erhaltenen Fachwerkhäusern zu besichtigen und an der frischen Luft zu sein.
Nach dem Abendessen, das die Gemeinde für uns vorbereitet hatte, begann unser erster Begegnungsabend. Wir hatten uns das schwierig vorgestellt, aber es wurde sehr interessant.
Es war gut, zu hören, wie die Christen in Tschechien ihren Glauben leben können und was sie für junge Leute von der
Straße tun. Das hat uns sehr beeindruckt. Nach einer spontanen Kollekte und einer Gebetsgemeinschaft fuhren wir zurück zur Pension.
Auch diesen Abend, wie alle anderen, ließen wir noch gemeinsam ausklingen.
Freitag Nachmittag fuhren wir wieder nach Litomerice, um dort in der Gemeinde am Abend unser erstes Konzert zu geben. Nach einer Chorprobe
und dem Abendessen waren wir alle gespannt, wie viele Menschen kommen würden und wie es mit der Übersetzung klappt. Die Gemeinde war gut besucht.
Der Theologe und Liedermacher
Jörg Swoboda, der als unser
Evangelist mitgereist war, gestaltete seine Verkündigung in mehreren Abschnitten, und dazwischen brachten wir, instrumental begleitet durch Dr. Andrea Wiedner an der Querflöte und durch
Andreas Reimann am Piano, unsere Lieder zum Vortrag. Uns hat es gefallen und
offenbar auch den Zuhörern; sie forderten vom Chor eine Zugabe. Auch
Jörg Swoboda
und sein Pianist, Andreas Reimann, sangen Lieder, ebenso mit Zugabe.


Samstag nach dem Mittagessen fuhren wir nach Stráz pod Ralskem (früher: Wartenberg am Rollberg). Hier waren wir eingeladen worden, in einer katholischen Kirche zu singen.
Die Begrüßung durch einen Vertreter der Kirche war kurz, aber herzlich. Wir hatten eine kurze Probe in der Kirche, die fürchterlich kalt war. Hiernach wurden wir ins Pfarrhaus gebeten zu einem kleinen
Imbiss. Als wir in die große Wohnstube kamen, brach uns der Schweiß aus. Ein alter, großer Kohleofen strahlte eine Hitze aus, die enorm war. Somit waren wir alle schnell wieder "aufgetaut".
Das anschließende Konzert mit Verkündigung war auch hier sehr gut. Es gab eine neue Übersetzerin für
Jörg Swoboda. Nachdem sie sich "eingesprochen" hatten, war es eine
Freude, dieser kleinen Frau bei der Übersetzung zuzusehen. Sie strahlte über das ganze Gesicht und war mit Leib und Seele dabei. Die Krönung für diese Frau war ein Lied von
Jörg Swoboda, sie klatschte den Takt mit und ihr Gesichtsausdruck war selig.
Nach dem Abendessen fuhren wir zurück zur Pension und ließen den Tag und das Konzert noch einmal in Gesprächen an uns vorüberziehen.
Am Sonntag fuhren wir direkt nach dem Frühstück nach Brniste (ehemals: Brims). Hier hatten wir erst am Nachmittag unser Konzert.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Gemeindeältesten und die kleine Übersetzerin probten wir und ließen uns mit einem tollen Mittagessen
verwöhnen. Das neue Gemeindehaus war am Nachmittag bis auf den letzten Platz besetzt. Einige junge Leute standen hinten während des Konzertes. Das Zusammenspiel zwischen
Jörg Swoboda, der Übersetzerin und dem Chor war sehr gut. Auch an diesem
Tag war es eine Lust und Freude, der Übersetzerin zuzuschauen, wie sie
Jörg
Swobodas Worte übersetzte - voller Elan und Freude für ihren Herrn Jesus Christus.
Auch hier ließ man uns nicht ohne Abendessen nach Hause fahren. Es war beim Essen ein fröhliches Miteinander und ein reger Gedankenaustausch zwischen den Gemeindegliedern
und uns. Zurück in der Pension, machten wir diesmal einen anderen Tagesabschluss. Wir trafen uns, um über die Konzerte zu reden und danach eine intensive Gebetsgemeinschaft zu haben.
Montag war frei!!! Nicht ganz. Wer wollte, fuhr nach dem Frühstück mit
zur Besichtigung der Gedenkstätte Terezín (früher: Theresienstadt) und am Nachmittag zum Kloster Melnik.
Die Gedenkstätte war für mich die erste dieser Art. Es war interessant, zu sehen und zu hören, was dort geschehen war. Und doch: Es ist
auch grausam, was Menschen anderen Menschen antun können. Uns alle hat es sehr berührt und betroffen gemacht. Aber es war gut, das einmal gesehen zu haben.
Am Nachmittag waren wir in Melnik. Hier konnte jeder seines Weges gehen -
"Shoppen", Kaffee trinken und Kuchen essen, spazieren gehen oder die Burg besichtigen, die kein Kloster war.
Um 17.00 Uhr fuhren wir zurück, und nach dem Abendessen machten wir den gleichen Abschluss wie am Sonntag.
Für Dienstag stand nun der zweite Begegnungsnachmittag in der Gemeinde Brniste an.
Am Vormittag hatten wir eine Seminareinheit mit
Jörg
Swoboda. Wir wurden an unser eigenes Verhältnis zu Jesus Christus erinnert und aufgefordert, wo nötig, es zu erneuern. Mit einigen Liedern von
Jörg Swoboda und einer guten Gebetsgemeinschaft schlossen wir den Vormittag ab.
Am Nachmittag fuhren wir also nach Brniste. Auch hier geschah ein reger Austausch an Fragen und Informationen von Gemeinden aus Tschechien und Deutschland. Es wurden
hier aber auch ganz klare Fragen zum 2. Weltkrieg gestellt, z.B. ob es einen Bruder im Chor gebe, der sich an diese Zeit erinnere und daran, wie er sie als Christ erlebt habe.
Einer unserer Mitsänger meldete sich und erzählte von seinen Eltern und sich, wie sie als Christen mit dieser Situation umgegangen waren und mit ihr gelebt hatten.
Es war interessant, zu sehen, wie alle ganz ruhig zuhörten.
Nach einigen weiteren Fragen gelang es dann Hans-Ulrich Ambacher mit Gottes Hilfe, "den Sack zuzubinden" und einen sehr guten Abschluss für alle zu finden. Das
anschließende Lied und die Gebetsgemeinschaft rundeten diesen Nachmittag von mehr als 2 Stunden ab. Alle waren überrascht, dass die Zeit so schnell fortgeschritten war. Nach einem
gemeinsamen Abendessen fuhren wir zur Pension zurück. Der Abschied war toll - als wenn man sich von Freunden verabschiedet, und langes Winken der Gastgeber unterstrich diesen Eindruck.
Der Mittwoch war unser Abreisetag. Nach dem Frühstück und der Andacht verabschiedeten wir uns
von
Jörg Swoboda und
Andreas Reimann. Sie waren mit dem eigenen PKW angereist.
Auch die Pensionsleute verabschiedeten uns sehr herzlich und mit langem Winken.
Nach einer langen, problemlosen Fahrt landeten wir gegen 17.00 Uhr wieder in
Eisenach. Die Geschwister in der dortigen
Baptistengemeinde warteten schon auf uns mit dem Abendessen. Hier durften wir mit den Männerchor-Brüdern aus
Oberellen unseren Dank- und Abschlussgottesdienst feiern. Nach dem Gottesdienst gab es das große Verabschieden. Jeder fuhr wieder nach Hause in seine Gemeinde.
Der Herr, unser Gott, hat uns eine tolle Woche geschenkt mit vielen Erlebnissen und Eindrücken. Bis
auf einen Bruder sind wir alle heil und gesund nach Hause gekommen. Einer der Sänger hatte sich bei einem Sturz den linken Unterarm gebrochen.
Er und seine Frau waren deshalb bereits früher zurückgeholt worden. Inzwischen geht es ihm gut und die Operation ist gut verlaufen.
Wir danken unserem Gott und Vater in Jesus Christus für alle Bewahrung und alles, was wir sehen und erleben durften.